Chronik

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Königlich priviligierte Feuerschützengesellschaft

Bad Aibling

gegründet 1610

 Die bis jetzt älteste bekannte Urkunde, die Aiblinger Schützen betrifft, birgt das Münchner Stadtarchiv. In diesem Schriftstück ist unter den Teilnehmern des im Jahre 1577  zu München abgehaltenen großen Schießens “Georg Spreitzer, Stahlschütze von Aibling“ erwähnt. Feuerschützen sind in diesem Zusammenhang erstmals 1455 zu diesem Wettbewerb zugelassen, bis dahin wurde er nur von Armbrustschützen ausgetragen.

Dann ist ein Stahlschütze, also ein Feuerschütze, noch kein Verein. Aber zweifellos existierte damals schon eine Vereinigung von Stahlschützen in den Mauern des alten Marktes Aibling. Dies ist aus Rechnungen des Kastenamts Aibling aus dem Jahr 1581 ersichtlich, welches den Stahlschützen zu Aibling  jährlich 3FL 3Pfg. in die Kasse  zahlte.

Festzustehen scheint, dass im Juli 1605 – wie es urkundlich heißt – „viele von Adel, welche in und um Aybling wohnten, auch viele vornehme Geistliche und Weltliche und viele Bürger in Aybling eine St.-Sebastians-Schützenbruderschaft aufgerichtet haben“; andere schreiben dafür das Jahr 1600.

Dies kann als Bestätigung einer Schützengemeinschaft aus dem Jahr 1605 angenommen werden, bei der es sich sicher mehr um eine Vereinigung von rechtsfähigen Bürgern Aiblings, die weniger den Schießstand und den damit verbundenen Betrieb, als vielmehr die Verteidigungsbereitschaft im Falle räuberischer oder gar kriegerischer Überfälle zum Zweck hatte. Als solche könnte sie auch schon seit 1321 existiert haben,  in dem  Kaiser Ludwig seinen “getreuen Bürgern im Markt Aybling die Gnad erteilte, dass sie oder wer zu den Markt Aybling fahrt, all die Rechte haben soll, die die Stadt München hat. Vermutlich war dies der Lohn für die Teilnahme an der Schlacht bei Mühldorf. 

Einige Jahre nach der Gründung der St.-Sebastians-Bruderschaft, um 1610 muß eine durchgreifende Veränderung im Aufbau der Bruderschaft geschehen sein. Sie wurde zu einer religiösen St. Sebastians-Bruderschaft umgeformt - das Heimatarchiv ist im Besitz einiger der alten Aufnahmeurkunden -, während die Feuerschützen-Bruderschaft ein rein weltlicher Verbund wurde und unter der Bezeichnung „Feuerschützengesellschaft Aibling“, die sich auch eine Satzung gab, ins Leben gerufen wurde. Diese wurde jedoch 1639 wieder in eine Sebastiansschützenbruderschaft umgewandelt und 1640 oberhirtlich abgesegnet, es war ja immer noch Krieg. Von 1662 bis 1780 warf das Kastenamt Aibling dafür jährlich 5 Gulden und 25 Kreuzer als „Schitzen Vortl für Zivilschitzen“ aus. Im Jahr 1662 brach  allerdings auch die recht ruinöse Schießhütte zusammen, sie konnte erst 1726 wieder durch einen Neubau ersetzt werden.. 1787 hat man, einige Jahre nach dem Stadtbrand, am 12. September wieder um die Genehmigung einer Schießstätte nachgesucht.   

 Die älteste Schützenordnung, die im Aiblinger Heimatarchiv aufbewahrt ist und vom Kurfürst Carl Theodor erlassen wurde, galt  nicht nur für die Aiblinger Feuerschützengesellschaft, sondern für sämtliche Schützenverbände im damaligen Kurfürstentum Baiern. Sie wurde am 21.Juni 1796 erlassen.

Unterlagen des weiteren Bestehens einer „priv. Schützengesellschaft Aibling“ ist aus Schriftstücken und Rechnungen aus dem Jahr 1640 und 1757 ersichtlich.Aus dem Jahr 1881 stammendie ältesten, im Vereinsbesitz befindlichen Dokumente. Damals wurde nach einer längeren Ruhepause, während der aber, -wie im “Ehrenbuch der königlich privil. Feuerschützengesellschaft Bad Aibling“ ausdrücklich vermerkt wird - die Gesellschaft als solche stets bestand, der Schießbetrieb wieder aufgenommen und die Bestimmungen der erneuerten Bayerischen Schützenordnung aus dem Jahr 1868 als Satzung der Feuerschützengesellschaft übernommen.

Leider ist viel Schriftgut aus dem alten Aibling bei den Bränden, von denen der Markt im ausgehenden Mittelalter wiederholt heimgesucht wurde, restlos vernichtet worden. Einer der schlimmsten Brände des Rathauses und der umliegenden Gebäude, wie auch der Sebastianikirche, soll in der Brandnacht vom 28.auf den 29. August 1765 gewesen sein. Auch sollen noch einige der wertvollen Urkunden und Berurkundungen beim Rathausbrand 1940 zu Asche geworden sein.    

Als wenige Jahre nach der Erhebung Bayerns zum Königreich der erste König, Max I., zahlreiche Schützengesellschaften bezüglich Schießerlaubnis, Errichtung von Schießstätten, Steuervergünstigungen und ähnliche, so genannte Privilegien, Sonderrechte erteilte, war auch die Aiblinger Feuerschützengesellschaft dabei und nannte sich seitdem – es war um 1810-„ Königlich Bayer. privil. Feuerschützengesellschaft“. Aus Akten der Schützengesellschaft, die sich im Heimatarchiv befinden, geht auch hervor, daß man sich schon 1739 um den Bau einer Schießstätte bemühte.

Am 1. Juli 1835 wurde das Theresienmonument eingeweiht, das zur Erinnerung an den Abschied der Königin Therese von ihrem Sohn Otto, dem 17jährigen zukünftigen König von Griechenland, errichtet worden war. Beim Festschießen, an dem 106 Schützen teilnahmen, traten die Aiblinger Schützen mit der Devise“ Dem Wendelstein gleich, der uns umgibt, so sehr mein Herz den König liebt“, an. Zwei wertvolle Schützenscheiben von diesem Festschießen sind heute noch im Besitz der Gesellschaft.

Erwähnenswert ist ein Schreiben der Landgerichte Rosenheim und  Aibling  vom 15.Sept. 1837 an den damaligen Bürgermeister Siertl, Lebzelter von Aibling, dafür zu sorgen, dass Leute, die wegen Wilddieberei oder diesbezüglicher Umtriebe bestraft wurden, aus der Schützengesellschaft auszuschließen sind.

Im März 1845 genehmigte der Magistrat von Aibling eine neue Schützenordnung, im Juni ein Festschießen aus Anlaß der Geburt des Kronprinzen Ludwig; es musste demnach also mindestens ein Schützenverein vorhanden gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt legte die „Kgl. bayr. privil. Feuerschützengesellschaft Aibling“ ein Protokollbuch an, das allerdings nicht fortlaufend geführt wurde. Zu dieser Zeit war auch Wilhelm Leibl Mitglied unserer Schützengesellschaft und in der Vorstandschaft tätig.

1896, dem Jahr der Ernennung zum Bad, war für fast 10 Jahre die letzte Eintragung einer Generalversammlung gewidmet. Am 10. November 1900 wurde auch die “Schützengesellschaft Wendelstein“ gegründet.

1905 übernahm Graf Arco von Zinneberg auf Maxlrain das Protektorat und einige tatkräftige Herren  die Leitung der Kgl. privil. Feuerschützengesellschaft. Sie brachten die Gesellschaft zu einer nie da gewesenen Blüte. Zum anstehenden 300jährigen Jubiläumsschießen vom 10. mit 13. Juli 1910 traten 300 Schützen aus allen Teilen Bayerns und Österreichs zum Wettkampf an. Das Protektorat hatte Graf Arco von Zinneberg inne. Ehrengaben stifteten: Sn. Majestät der Deutsche Kaiser Wilhelm II., der einen silbernen Prunkpokal gab, er verblieb auf allerhöchsten Wunsch in der Gesellschaft; weiter führten das Ehrengabenverzeichnis an: Sn. Kgl. Hoheit Prinz Luitpold von Bayern, Sn. Kgl. Hoheit Prinz Ludwig von Bayern, Sn. Kgl. Hoheit Prinz Leopold von Bayern und viele Aiblinger Bürger.

In den folgenden Jahren hatte die Feuerschützengesellschaft schwere Krisen zu überstehen. In den Kriegsjahren 1914 – 1918 kam das Schützenwesen ganz zum Erliegen. Nach dem Krieg verzichtete die Kgl. privil. Feuerschützengesellschaft auf jedes Besitzrecht ihrer bestehenden Schießstätte,“ Beim Schützenwirt“, die auf Gemeindegrund erbaut worden war, zu Gunsten der Gemeinde Aibling, in deren alleinigen Besitz das Gebäude überging. Sie übernahmen die Schießstätte der aufgelösten „Einwohnerwehr“ in Thürham. Nach dem Um- und Ausbau der Schießstätte fand am 15. August 1920 das Eröffnungsschießen statt. Die Marktgemeinde Aibling bot der Kgl. privil. Feuerschützengesellschaft einen Pachtgrund an der Mangfall zur Errichtung einer Schießstätte an. Dieses Angebot wurde abgelehnt, weil diese Schießstätte zu abgelegen war. Im Protokollbuch wurde vermerkt: vor allem fehlte das Wichtigste, eine  Wirtschaft. Im Laufe der Zeit konnte dann eine angemessene Schießstätte beim Niederlechner, „Gasthof Neugarten“, aufgebaut werden. An dem  Eröffnungsschießen vom 8. bis 16. August 1931nahmen 100 Schützen teil. Nach dem 2. Weltkrieg war allerdings auch diese nicht mehr betriebsfähig. Da auch die Gewehre abzugeben waren, erlahmte der Schießbetrieb weitere Jahre. Man war jedoch nicht gewillt, die Gesellschaft aufzulösen, es war ja 1900 im „Gasthof zur Elektrischen Bahn“  die “Schützengesellschaft Wendelstein“ gegründet worden, die ebenfalls um den Fortbestand kämpfte.

Im Frühjahr 1956 begannen die „Wendelsteiner“ unter Julius Herrmann wieder ihre Schützengesellschaft aufzubauen, hatten sie doch eine fast 60jährige Tradition in Bad Aibling. Man stellte ihnen das sogen. Liedertafelzimmer als Schießraum zur Verfügung und schon im Spätsommer 1956 konnte das Eröffnungsschießen  im Hotel Schuhbräu ausgetragen werden. Beim Jahresrückblick  1957 im Schuhbräu eröffnete  Schützenmeister Herrmann der „Wendelsteiner“ den Mitgliedern im Beisein einiger Vertreter der „Feuerschützen“, dass die Kgl. privil. Feuerschützen an die Schützenmeisterei mit dem Vorschlag, beide Gesellschaften  zusammenzufassen, herangetreten sei. Bei der Feuerschützengesellschaft war zu dieser Zeit jedoch darüber auch noch nicht abgestimmt worden. Deshalb fand am 18. Januar 1958 eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Kgl. privil. Feuerschützen im Gasthaus Neugarten statt. Für die FSG stand nicht nur immer noch die leidige Frage nach einem geeigneten Schießstand, sondern auch die Drohung, aus dem Registergericht als ältester Aiblinger Verein gestrichen zu werden, im Raum. Das Ansinnen wurde von keinem Mitglied abgelehnt, die Frage war nur in welcher Form eine echte Verschmelzung stattzufinden habe.

Die “Neu-Gründungsversammlung“ der „Kgl. privil. Feuerschützengesellschaft Bad Aibling“  wurde auf den 22. Februar 1958 festgesetzt und da auch besiegelt.

Am 350jährigen Jubiläumsschießen 1960, das vom 6. bis 15. Dezember im Saal des Gasthauses Rohleder, in der Lindenstr.  ausgetragen wurde, beteiligten sich 210 Schützen aus Bad Aibling und Umgebung. Dank der großzügigen Spenden der Aiblinger Geschäftswelt konnten Ehrengaben im Wert von 3000 DM bereitgestellt werden, die bei der Preisverteilung im Gasthaus Schuhbräu zur Verteilung kamen.

Im Frühjahr 1963 Kündigung des Schießstandes im Schuhbräu, neue Bleibe  mit viel Arbeit zuvor im Frühlingsgarten, offiz. Schießbeginn im August 1963.Vom 13.06.77 bis zum 1.10.91 war dann der Sebastiani-Bräu das Vereinslokal und Schießstätte, auch wenn die Gaststätte manchmal wegen Pächterwechsel und /oder Renovierung geschlossen war.

Zum bevorstehenden 375jährigen Jubiläum und dem damit verbundenen Gauschießen im Jahr 1985, bekam auch die Bayer. Staatskanzlei einen Bittbrief an den damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zugesandt. Er als ein  Gönner und Förderer des Schießsports möge den Verein zu diesem Jubiläum und Gauschießen mit einer Ehrengabe unterstützen. Dieser Bitte entsprach man und wurde mit einem „Bayerischen Löwen“ als Ehrengabe belohnt. Dieser wurde vom Schützenmeister persönlich in der Staatskanzlei abgeholt. Auf ausdrücklichen Wunsch des Herrn Ministerpräsidenten sollte diese Ehrengabe auch der 1. Preis bei diesemSchießen sein. Bei einer Teilnahme von 806 Schützen erzielte ein Schütze aus Aising auf der Festscheibe einen 9,9 Teiler und wurde somit Sieger und Besitzer des Bayerischen Löwen.

Im Mai 91 kündigte  dann der Besitzer vom Sebastiani Bräu wegen Eigennutzung zum 01.10.91. In dieser schießstandlosen Zeit konnten wir bei der Schützengilde Waldheim vom Oktober 91 bis zum 18.01.95 den Schießbetrieb im normalen Umfang aufrecht erhalten. Mit dem Neubau einer Schießanlage im Keller der Gaststätte Schoder konnte der Schießbetrieb wieder aufgenommen werden. Das Eröffnungsschießen fand  vom 13.11. bis 16.11. 1995 statt.

Wieder sind 25 Jahre ins Land gezogen, nun steht das 400jährige Jubiläumsschießen, verbunden   mit dem 29. Gauschießen vor der Tür. Möge ihm ein ebenso guter, erfolgreicher Verlauf beschieden sein, wie den vorangegangenen.    

 

       
 

 

 

 

 

 

 

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